Was eine Portugiesische Galeere mit der Energiewirtschaft zu tun hat? Naja, nicht viel, aber…

Vor Kurzem verglich der bekannte Philosoph Richard David Precht auf der Bankentagung des Handelsblatts die Finanzmärkte mit einer portugiesischen Galeere. Wer sich jetzt fragt, was die Finanzmärkte mit einem geruderten Kriegsschiff zu tun haben, geht mit seiner metaphorischen Annahme fehl.

Eine Portugiesische Galeere ist in diesem Falle eine Quallenart, die zu den sog. Staatsquallen gehört. Das heißt, das ist gar kein Tier, sondern eine Zusammenrottung von Tausenden von Tieren. Jeder einzelne Nesselhaken ist eine hochspezialisierte Qualle für sich.

Precht beobachtete, dass es derzeit auf den Finanzmärkten fast ausschließlich Spezialisten gibt, die Ihre Aufgaben hocheffizient erledigen. Ähnlich wie bei der Portugiesischen Galeere, bei der jeder Einzelorganismus seine Aufgabe absolut effizient erfüllt. Das Problem: Die Qualle kann nicht Schwimmen.

Sie treibt ziellos im Ozean umher – ohne Kapitän, ohne Gehirn, ohne Herz. Precht berichtet, dass er die hochintelligenten Finanzspezialisten als Menschen erlebt, die das was sie machen genau kennen, aber im Augenblick eher abwarten, hören wo der Wind herkommt, wie viel Wind sie ins digitale Zeitalter treibt und welcher Wind dagegen weht. Was fehlt, ist das Lenken. Es wird taktiert, nicht strategisch überlegt.

Was bedeutet, dass konsequent und genau geprüft wird, welcher Schritt der beste auf den nächsten ist. Strategie hingegen bedeutet, sich ein Ziel zu suchen und allmählich darauf hinzuwandern.

Das CKE SalesTeam wurde von diesem Handelsblatt-Artikel nachdenklich gestimmt. Befinden wir uns in der Energiebranche nicht in einer ähnlichen Situation? Ist die derzeitige Suche nach dem großen Ziel und dem richtigen Weg dahin eine der größten Herausforderungen unserer Branche und Zeit?

Befinden wir uns nicht alle auch in einem Widerstreit von Strömungen und Ausrichtungen, die nicht so recht zueinander passen zu scheinen? Ein paar beispielhafte Begriffspaare verdeutlichen die Gegensätze:

 Kleinteiligkeit vs. Kooperation

Agiles Projektmanagement vs. Kommunal geprägte Linienorganisation

Fossiles Kraftwerkegeschäft vs. Volatile, regenerative Energieerzeugung

Regulierung vs. Wettbewerb

Subvention vs. Marktwirtschaft

Vertriebliche Digitalisierung vs. Persönlichen Kundenkontakt

Innovationsfreude vs. Klassisches Commoditygeschäft

uvm.

Die Ergebnisse der aktuellen Ernst & Young Stadtwerke-Studie bestätigen erstmals offenkundig aus Sicht der Stadtwerke-Vertreter : Die Ertragsaussichten für energienahe Geschäftsfelder werden nun doch als eher gering eingeschätzt. Ein Eingeständnis oder eher Resignation? Die Folge: eine Rückbesinnung auf das klassische Commodity-Geschäft steht wieder weiter oben auf der Strategie-Agenda. Kundengewinnung um jeden Preis. Gewinnstabilisierung durch Prozesseffizienz, anstatt durch Innovation.

Die Komplexität der Situation und Diskussion vermag auch hier und heute keine abschließende Betrachtung hervorbringen – Strategisches Denken und Innovation sind ohnehin nicht endlich, sondern ein fortwährend andauernder Prozess. Die Metapher von Herrn Precht ist jedoch eine gelungenes Sinnbild für die massive Umbruchphase und deren Folgen in unserer schnelllebigen Zeit. Eine Metapher zum Nachdenken…

Burkhard Hergenhan

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